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Am 23. September sowie am 10., 15. und 30. Oktober schließt der Lesesaal aufgrund einer Veranstaltung um 17 Uhr. (Musik-)Handschriften und Nachlässe können deswegen nur bis 17 Uhr benützt werden. Für die restlichen Bestände werden Ersatzleseplätze zur Verfügung gestellt.

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Offenbach, Suppè und der Beginn der Wiener Operette

Die neuesten Noten des Herrn Jacques Offenbach, Karikatur aus der Zeitschrift "Kikeriki", 13. April 1865.

Ort und Zeit

18. März bis 29. November 2019
Montag bis Freitag 9 bis 13 Uhr
Musiksammlung der Wienbibliothek, Loos-Räume
1010 Wien, Bartensteingasse 9, 1. Stock
Freier Eintritt!
Eröffnung am 15. März 2019

Zur Ausstellung

Wenn heute das Wort "Operette" fällt, so denkt man – durchaus auch im internationalen Kontext – zuallererst an die wienerische Spielart dieses Genres, also an jene "Märchen für Erwachsene", die dem gegenwärtigen Publikum zumeist nur noch "gegen den Strich gebürstet" vorgesetzt werden. Der Beginn des Genres verlief jedoch in durchaus anderen Bahnen. Aus Paris kommend verstand sich die Operette (die anfangs diese Bezeichnung noch gar nicht führte) zwar genauso als Mittel zur Unterhaltung des Bürgertums, doch standen dort Witz, Satire und Persiflage im Vordergrund. Wien nahm die neue Richtung des Musiktheaters zunächst begierig auf, doch wurde bald, nicht zuletzt aus rein chauvinistischen Motiven, der Ruf nach einer von eigenen Kräften getragenen Produktion laut. Tatsächlich entwickelte sich im Zusammentreffen mit der lokalen Theatertradition rasch eine Operette wienerischer Prägung. Sowohl Jacques Offenbach als auch Franz von Suppè, beide 1819 – also vor 200 Jahren – geboren, wirkten als Protagonisten in diesem Spannungsfeld.

1850–1860: Geburt des kommerziellen Musiktheaters

In Paris setzte unter der Herrschaft Napoleons III. ein bemerkenswerter wirtschaftlicher Aufschwung ein, von dem vor allem das Bürgertum profitierte. Zur Unterhaltung dieser Schichten schufen Hervé und Jacques Offenbach Burlesken und Parodien, aufgrund obrigkeitlicher Beschränkungen vorerst nur in kleiner Besetzung. In Wien herrschte indes die im Vergleich textlastigere Posse mit Gesang vor, ehe gegen Ende des Jahrzehnts die ersten Offenbach-Einakter – unautorisiert – importiert wurden. Carl Binder besorgte dazu aus dem Klavierauszug die Orchestrierung. Johann Nestroy war als Theaterdirektor, Autor und Schauspieler an dieser Entwicklung maßgeblich beteiligt. Nach französischem Vorbild schuf schließlich Franz von Suppè die erste "Operette" in deutscher Originalsprache.

1860–1870: À la mode parisienne

Nachdem der Krieg Österreichs gegen Sardinien-Piemont und Frankreich beendet war, stellte Offenbach mit den von ihm geleiteten "Bouffes Parisiens" dem Wiener Publikum seine Operetten in ihrer Originalgestalt vor, vereinbarte aber auch Aufführungen durch lokale Kräfte in deutscher Sprache, deren Einstudierung und Erstaufführung er in der Regel selbst besorgte. Dabei kam es zu einer regelrechten Konkurrenz der Wiener Theater. Höhepunkt der Offenbach-Begeisterung war der Triumph seiner Schönen Helena. Demgegenüber fiel die nur wenige Monate später uraufgeführte Schöne Galathée Suppès in der Publikumsgunst ab. Während Suppè in der Folge für ein Jahrzehnt als Operettenkomponist in den Hintergrund trat, debütierte sein Schüler Carl Millöcker.

1870–1880: Die Wiener Operette formiert sich

Der Deutsch-französische Krieg ließ in Wien den Ruf nach einer eigenständigen Spielart der Operette laut werden: weniger sarkastisch und frivol, dafür mehr auf Opulenz und Eskapismus setzend. Als neuer Stern am Theaterhimmel trat nun Johann Strauss (Sohn) in Erscheinung. Seine Fledermaus geriet zum Welterfolg. Auch Suppè trat wieder mit Operetten hervor; mit Fatinitza und Boccaccio verbuchte er seine größten persönlichen Erfolge. Wenngleich Offenbach durch seine Hinwendung zur Féerie dem neuen Zeitgeschmack Rechnung zu tragen suchte, hatte er doch sein Quasi-Monopol verloren. Der Kulturaustausch zwischen Paris und Wien auf dem Gebiet der Operette funktionierte nunmehr in beide Richtungen.

Mitwirkende

Text und Kurator: Thomas Aigner
Ausstellungsgestaltung: Markus Reuter
Öffentlichkeitsarbeit: Suzie Wong

Dank für die Bildrechte ergeht an das Wien Museum.

Mit freundlicher Unterstützung des Jacques Offenbach Jahres 2019 Köln & Region.
Weitere Informationen zum Jubliäumsprojekt finden Sie hier.

Begleitprogramm

14. - 17. März 2019, Tanz Signale 2019 - Zur Geburt der Wiener Operette: Musikalische und historische Wurzeln. Heute - Reminiszenz oder Aktualität?
Nähere Informationen unter www.johann-strauss.at

Donnerstag, 9. Mai 2019, Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus, 19:00 Uhr
Offenbach, Suppè und Co. - Im Rahmen der Konzertreihe "Lost & Found". Junge japanische MusikerInnen @ Wienbibliothek

Dienstag, 18. Juni 2019, Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus, 19:00 Uhr
Vortrag und Konzert: Zum 200. Geburtstag von Franz von Suppè. Mit Anton Ehrenberger und Andreas Weigel
Musikalisches Begleitprogramm: Studierende der Opernklasse an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK)

Dienstag, 22. Oktober 2019, Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus, 19:00 Uhr
Orpheus in der Unterwelt. Walter Obermaier präsentiert seine Forschungsergebnisse zum Text Johann Nestroys.
Musikalisches Begleitprogramm: Studierende der Opernklasse an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK)

Donnerstag, 28. November 2019, Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus, 19:00 Uhr
Finissage

Porträt Jacques Offenbach, WBR, HS, HIN-238506.
Franz von Suppè, Fotografie von Fritz Luckhardt, Wien, WBR, Tagblattarchiv, TF-005787.
Carl Binder: Quadrille nach J. Offenbachs Melodien der Operette "Die Hochzeit bei Laternenschein", WBR, MS, Mc-1061.
Johann Nestroy: Eigenhändiges Widmungsblatt mit Darstellung Nestroys als Jupiter in Offenbachs Operette "Orpheus in der Unterwelt", WBR, HS, HIN-136993.
Der Brand des Treumanntheaters in Wien in der Nacht des 9. Juni, Lithographie aus Waldheims Illustrirter Zeitung vom 20. Juni 1863, WBR, DS, F-5581.
"Was sich Ferdinand Raimund im Himmel denken mag!", Karikatur aus der Zeitschrift 'Kikeriki' vom 15. November 1865, WBR, DS, F-24670.
Marie Geistinger als Fantasca in "Indigo und die 40 Räuber" von Johann Strauss, WBR, HS, HIN-238338.
Kolorierte Figurine, die Titelrolle aus der Operette "Fatnitza" von Suppè darstellend, WBR, HS, HIN-125327.
Bildpostkarte zum 25-jährigen Jubiläum der Uraufführung der "Fledermaus" mit eigenhändiger humorvoller Neutextierung des Notenzitats von Johann Strauss, WBR, HS, HIN-223954.

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