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beschriebenes Notizblatt von Gustav Klimt
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Im Lesesaal mit:
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Am 18., 22. und 23. Oktober sowie am 21. und 22. November schließt der Lesesaal aufgrund einer Veranstaltung um 17 Uhr. (Musik-)Handschriften und Nachlässe können deswegen nur bis 17 Uhr benützt werden. Für die restlichen Bestände werden Ersatzleseplätze zur Verfügung gestellt.

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Objekt des Monats Februar 2018: Briefwechsel zwischen Oskar Kokoschka und Otto Winter

Handgeschriebener Brief von Oskar Kokoschka, 3.1.1915, WBR, HS, HIN-248357.

Im November 2017 glückte dem Verein der Freunde der Wienbibliothek im Auktionshandel der Ankauf von fünf eigenhändigen Briefen Oskar Kokoschkas sowie von fünf Gegenbriefen aus der Feder des Hamburger Kaufmanns Otto Winter, eines bekannten Kunstsammlers. Der Briefwechsel betrifft Kokoschkas wichtigstes Gemälde "Die Windsbraut" und dokumentiert anschaulich, wie dieses Hauptwerk der Wiener Moderne in den Besitz Winters gelangte. Nach dem erfolgreichen Zuschlag übergab der Verein der Freunde die bislang unbekannte Korrespondenz der Wienbibliothek. Sie gehört nunmehr zum Bestand der Handschriftensammlung, die vor der Schenkung bereits rund dreißig Korrespondenzstücke von Kokoschka verwahrte.

Ein Liebespaar treibt im Boot auf stürmischer See, glückselig und verloren im Unendlichen. Im Gemälde "Die Windsbraut" verewigte sich Kokoschka mit seiner Geliebten Alma Mahler. 1914, am Ende der dreijährigen leidenschaftlichen Beziehung, bilanzierte Mahler: "Niemals zuvor habe ich so viel Krampf, so viel Hölle, so viel Paradies gekostet" – Worte, die sich in der Ausdruckskraft des expressionistischen Werkes widerspiegeln.   

Der Verkauf des Gemäldes, dessen Titel ursprünglich "Tristan und Isolde" lauten sollte, dann aber nach einem Gedicht Georg Trakls, der den Entstehungsprozess mitverfolgte, als "Die Windsbraut" firmierte, kam Kokoschka sehr gelegen. War jedoch zu Beginn noch von einem Verkaufspreis von 5.000 Kronen die Rede, so einigten sich Maler und Sammler schließlich auf die halbe Summe. Kokoschka benötigte das Geld, da er sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hatte und er seine Angehörigen versorgt wissen wollte.

Der Briefwechsel gibt Aufschluss darüber, dass Kokoschka länger als ein Jahr an dem Gemälde gearbeitet hatte. Es blieb mit Bedacht unsigniert, damit dem Künstler mögliche Anfeindungen erspart blieben. Auch über den Transport von Dresden nach Hamburg wird ausführlich korrespondiert: "Die Windsbraut" war zunächst beim Kunsthändler "Salon Arnold" untergebracht und gelangte knapp vor den Weihnachtsfeiertagen 1914 zu Otto Winter nach Hamburg Groß-Flottbek.  

Heute wissen nur wenige von der vergebenen Chance, "Die Windsbraut" nach Wien zu holen. Nachdem der Versuch des Erstbesitzers Otto Winter, das Gemälde 1924 an die Hamburger Kunsthalle zu verkaufen, gescheitert war, bot er das Werk der Österreichischen Galerie, dem Wiener Belvedere, an.

Hier zeigte man kein Interesse, sodass "Die Windsbraut" letztlich doch noch, zu einem reduzierten Preis, Eingang in die Sammlungen der Hamburger Kunsthalle fand. 1937 wurde das Gemälde ebendort von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Das Sinnbild der leidenschaftlichen Liebe zwischen Kokoschka und Mahler wurde als sogenannte "entartete" Kunst gegen dringend benötigte Devisen in die Schweiz verkauft. Seitdem ist Kokoschkas Hauptwerk im Kunstmuseum Basel zu sehen, von wo es aufgrund des fragilen Zustandes in den letzten 70 Jahren nur in Ausnahmefällen auf Reisen ging.

Archiv der Objekte des Monats 2018: