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Neuerwerbung der Musiksammlung: Tango aus der Operette "Der Nachtschnellzug" von Leo Fall

"Tango" von Leo Fall, Text von Victor Léon, aus der Operette "Nachtschnellzug", WBR, Musiksammlung MHc-18546

Bei der Autographen-Auktion des Dorotheums vom 4. Juni 2018 ersteigerte die Wienbibliothek ein Doppelautograph von Leo Fall und Victor Léon, das einen interessanten Einblick in die Gepflogenheiten der Operettenkomposition gewährt. Es handelt sich um ein Arbeitsmanuskript zum Tango-Duett aus dem am 20. Dezember 1913 uraufgeführten Operettenschwank "Der Nachtschnellzug".

Die Musik dieses Bühnenstücks stammt von Leo Fall (1873–1925), der Text von Victor Léon (1858–1937) und Leo Stein (1861–1921). Grundsätzlich war Léon für das Buch und Stein für die Gesangstexte verantwortlich; im Fall des besagten Tango-Duetts stammt die Textierung jedoch von Léon. Dabei wurden die Worte, wie aus dem Manuskript eindeutig zu ersehen ist, nachträglich der von Fall komponierten Melodie unterlegt. Diese Methode eignet sich zwar nicht für Passagen, in denen die Handlung vorangetrieben wird, wie etwa die Aktfinali, da sich dort der Text in den durch die Dramaturgie des Stücks vorgegebenen engen Grenzen bewegen muss. Bei jenen Musiknummern aber, die als kommende Schlager konzipiert wurden und daher in erster Linie auf eine zündende Melodie setzten, war die Methode der nachträglichen Textierung keineswegs unüblich.

Das hier besprochene Tango-Duett ist ein gutes Beispiel dafür, war doch der Tango zur Zeit der Entstehung und Uraufführung des "Nachtschnellzugs" der Modetanz schlechthin, der in keiner Operette fehlen durfte. Die Intentionen der Autoren gingen denn auch auf, wenngleich mit Einschränkungen: Die Kritik sah im Tango-Duett noch am ehesten das Zugstück eines ansonsten weniger gelungenen Bühnenwerks.

Archiv der Neuerwerbungen 2018