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Eduard Kulke und die Gleichberechtigung der Empfindungen. Vortrag von Marita Keilson-Lauritz

Bild Kulke: Moriz Müller, Archiv der Universität Wien. Bild Keilson-Lauritz: Manon van der Zwaal

Ort und Zeit

30. September 2015, 19 Uhr
Musiksammlung der Wienbibliothek, Loos-Räume
Bartensteingasse 9, 1. Stock, 1010 Wien

Zu Eduard Kulke

Der Schriftsteller und Musikkritiker Eduard Kulke hat in seinen zahlreichen Geschichten aus dem jüdischen Volksleben die Welt der mährischen Schtetl plastisch vor Augen geführt, dabei aber Figuren eingeführt, die nicht der Tradition entsprangen, wie etwa das "Schmul Mad", eine die Grenzen der Geschlechter überschreitende Figur, die als "sexuelle Zwischenstufe" im Sinne Magnus Hirschfelds interpretiert werden kann. Er sah die religiös geprägte Kultur mit den Augen eines überzeugten Aufklärers und Optimisten und vertraute voll seiner Empfindung, die weder durch eine Autorität gebeugt, noch durch eine Majorität erschüttert werden konnte. Dies geht auch aus seinen Tagebüchern hervor, die in der Wienbibliothek aufbewahrt werden.
Sein überaus produktives Berufsleben – mit an die 300 Erzählungen und 2.000 Zeitungsbeiträgen verschiedenster Art – hat er seit 1859 in Wien verbracht. In dieser Stadt verstarb er am 20. März 1897 an seiner letzten Adresse, Mariahilferstraße 70, und wurde wenige Tage später am Zentralfriedhof begraben, doch es ist kein Grabstein erhalten.

Er war ein großer Verehrer Friedrich Hebbels, Richard Wagners und Johann Joachim Winckelmanns. Mit Letzterem verband ihn nicht nur die gleichgeschlechtliche Orientierung, sondern auch das Interesse an einer Theorie des Schönen. Seine posthum erschienene "Kritik der Philosophie des Schönen" erweckte sowohl die Begeisterung seines Freundes Ernst Mach, der eine biografische Skizze beisteuerte, als auch die von Otto Neurath, was durch zahlreiche Markierungen und Randglossen in dessen Arbeitsexemplar belegt ist.

Zur Vortragenden

Marita Keilson-Lauritz wurde 1935 in Tallinn/Estland geboren, studierte in Erlangen und Amsterdam und promovierte über “Die Geschichte der eigenen Geschichte” (Verlag rosa Winkel, 1997.) Diese Dissertation über Literatur und Literaturkritik in den Anfängen der Schwulenbewegung am Beispiel des "Jahrbuchs für sexuelle Zwischenstufen" und der Zeitschrift "Der Eigene" ist ein unverzichtbares Standardwerk geworden. Seit 1970 war sie mit Hans Keilson (1909-2011) verheiratet, der weit über den deutschen Sprachraum hinaus als Psychiater, Psychonanalytiker, Schriftsteller und Dichter Bekanntheit erlangte.