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Kleinodien aus der fünften Jahreszeit. Ballspenden aus den Sammlungen der Wienbibliothek

Damenspende zum Ball der Stadt Wien 1909. WBR, DS, A-175400

Ort und Zeit

15. Februar bis 31. Juli 2017
Montag bis Donnerstag 9 bis 18:30 Uhr
Freitag 9 bis 16.30 Uhr
Wienbibliothek im Rathaus, Foyer
Rathaus, Eingang Felderstraße, Glaslift (nach 18 Uhr: Lichtenfelsgasse), 1. Stock, 1010 Wien
Freier Eintritt

Zur Vitrinenausstellung

Die Faschings- und Ballsaison, die seit je durch die Fülle der in Wien veranstalteten Tanzbälle fixer Bestandteil des urbanen Kulturlebens ist, trug den Sammlungen der Wienbibliothek eine stattliche Anzahl an Damen- und Ballspenden ein. Vorrangig die Druckschriftensammlung verfügt über gedruckte und buchförmig hergestellte Ballspenden, deren gestalterische Blütezeit die Jahre zwischen 1880 bis zum Ersten Weltkrieg sind.

Damenspenden erfüllten ursprünglich den für den Ablauf der Ballnacht wichtigen Zweck der Findung von Tanzpartnern: die Damenspende enthielt die Tanzkarte, auf welcher die Ballbesucherinnen in der Abfolge der im Programm vorgesehenen Tänze die von den Herren eingeholten Tanzversprechen notierten. War der Name eines Tanzpartners in der Ballspende festgehalten, so galt der Tanz als verbindlich versprochen und die Tänzerin als nicht mehr frei, die Herren dagegen waren "engagiert".

Die Tanzkarte begleitete die Dame die gesamte Ballnacht hindurch, weshalb sie einerseits entsprechend zweckmäßig und praktisch sein sollte, andererseits musste sie zumeist noch einem vom Ballveranstalter gewählten Motto oder gestalterischen Sujet entsprechen. Eine Vielzahl an Damenspenden ist in der Form des Notizbüchleins oder Heftes (carnet de bal) gestaltet. Der Bleistift, mit dem in die Tanzkarte geschrieben wurde, diente - wie bei vielen Notizbüchern - zugleich als Verschluss. Die traditionelle Tanzkarte ist zweiteilig: Der erste Teil beinhaltet die Tänze "vor der  Ruhe“, womit eine längere Tanzpause gemeint ist, der zweite Teil listet die Tänze "nach der Ruhe" auf. Um die Tanzkarte nicht ständig in Händen halten oder beim Wechsel des Tanzes aus dem Täschchen holen und wieder dort verstauen zu müssen, verfügen die meisten über einen charakteristischen Haken, mit welchem sie am Ballkleid der Dame eingehängt und befestigt werden konnten.

Ballspenden sind stets graphisch und buchkünstlerisch aufwendig gestaltete Objekte, in deren Produktion namhafte Ateliers (wie etwa die Wiener Hoflieferanten August Klein, Wilhelm Melzer oder Josef Hoffmann und die Wiener Werkstätte) involviert waren. Während die Ballspenden nach dem Ersten Weltkrieg in der Regel den kunstvollen äußeren Schmuck vermissen lassen, kommt es zu einer Aufwertung des graphischen und illustratorischen Elements. Proben dieser künstlerischen Ausstattung werden als Reproduktionen an den Wänden gezeigt.

Die Ausstellung präsentiert in zwei Vitrinen einen repräsentativen Querschnitt an Ballspenden von Spätbiedermeier bis in die erste Republik. Im Anschluss daran werden Objekte zu zwei wichtigen Ballinstitutionen der Stadt vorgestellt: einerseits der Ball der Stadt Wien mit engem Bezug zu den Fest- und Repräsentationsräumen des  Wiener Rathauses als wichtigstem Vertreter der zahllosen bürgerlichen Tanzveranstaltungen; andererseits der Opernball, welcher aus der Tradition der Hof- und Adelsbälle hervorgegangen ist. In dieser Vitrine sollen exemplarisch bewusst auch die widerständigen und Gegenbewegungen zu diesem vielfach als Fest des elitären Establishments empfundenen Ball zur Sprache kommen.

Mitwirkende

  • Direktion: Sylvia Mattl-Wurm
  • Kurator: Gerhard Murauer
  • Mitarbeit: Kyra Waldner, Franz Gangelmayer
  • Ausstellungsgestaltung und Graphik: Markus Reuter
  • Öffentlichkeitsarbeit: Suzie Wong
  • Reproduktionen: Nicole Hebenstreit, Erwin Tiller
  • Restaurierung und Werkstatt: Liv-Solveig Wanek; Sabine Imp, Gerhard Pirker

Fotos

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Damenspende zum Concordia-Ball 1909, Entwurf: Josef Hoffmann, Ausführung: Wiener Werkstätte. WBR, DS, A-87719
F. Oppitz, Tänzerin, aus: Die vier Elemente. Ein Bilderbuch für die Reifere weibliche Jugend. Damenspende zum Künstlerhausball 1925. Wien: Göschl und Angerer 1925 / WBR, DS, A-188394
Remigius Geyling, Beschießung Wiens durch die Franzosen 11-12. Mai, aus: Damenspende zum Ball der Stadt Wien 1909. WBR, DS, A-175400
Julius Bauer, Schnitzler; Carl Hollitzer, Karikatur zu Arthur Schnitzler, aus: Wiener Köpfe in der Karikatur. Damenspende zum Concordia-Ball 1928 / WBR, DS, A-87719
Julius Bauer, Bahr, Carl Hollitzer, Karikatur zu Hermann Bahr, aus: Wiener Köpfe in der Karikatur. Damenspende zum Concordia-Ball 1928 / WBR, DS, A-87719
Carl Michael Ziehrer, Wiener Bürger. Walzer. Wien: Lewy o.J. / WBR, MS, M-985
Wilhelm Gause, Der Festball im neuen Rathhause am 6. Februar, aus: Illustrierte Zeitung, 1.3.1890, S. 208-109 / WBR, DS, F-23720
Die vier Elemente. Ein Bilderbuch für die Reifere weibliche Jugend. Damenspende zum Künstlerhausball 1925. Wien: Göschl und Angerer 1925, Titelseite / WBR, DS, A-188394