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Filmplakate in der Plakatsammlung der Wienbibliothek

Goetze, Rolf: Filmplakat zu "Der Mann, der zuviel wusste", 1955, P 15239.

Bestandsgeschichte und Inhalt

Die Plakatsammlung der Wienbibliothek, die 1923 gegründet wurde, um jene Plakate zu archivieren, die durch die 1921 als Vermarktungsstelle öffentlicher Werbeflächen der Gemeinde Wien gegründete GEWISTA affichiert worden waren, enthält auch eine bedeutende Sammlung von Filmplakaten, die von der Zeit der ersten Stummfilme bis in die jüngste Vergangenheit reicht. Der Bestand umfasst etwa 11.000 Filmplakate zu Einzelfilmen sowie Kino- und Verleih-Wochenprogramme. Dazu kommen etwa 6.000 Plakatstreifen, die in den meisten Fällen nur die wichtigsten Textinformationen zum Film enthalten, nicht signiert wurden und dem Format nach der Bewerbung auf Litfaßsäulen dienten.

Im deutschsprachigen Raum hat der Bestand insofern eine Sonderstellung, als österreichische Verleihfirmen für den heimischen Markt sowohl eigene Plakate in Auftrag gaben als auch in vielen Fällen die für den deutschen Markt produzierten Plakate affichierten. Aus diesem Grund, aber auch aufgrund einer gezielten Sammlungspolitik sind für viele Filme sowohl von österreichischen GrafikerInnen entworfene als auch bundesdeutsche Plakate in der Sammlung zu finden. Der DDR-Verleih Progress-Film, der in Österreich sowohl die Filme der DEFA als auch andere im kommunistischen Machtbereich produzierte und für den DDR Markt synchronisierte Filme vertrieb, bewarb seine Produkte auch in Wien mit den originalen DDR-Plakaten. Diese finden sich ebenso im Bestand der Plakatsammlung wie die Plakate zu den von der sowjetischen Besatzungsmacht zwischen 1945 und 1955 in Wien gezeigten Filmen. Zu ihrer Bewerbung wurden fast immer von sowjetischen Plakatkünstlern entworfene Plakate verwendet.

Zeitlich reicht die Sammlung weit vor ihr Gründungsjahr 1923 zurück. So enthält sie etwa auch Plakate zu den ersten Stummfilmen der 1910 gegründeten Sascha-Film und Exponate der französischen Stummfilm-Firmen Gaumont und Pathé, die die von ihnen produzierten Filme in Österreich von eigenen Verleihfirmen vermarkteten. Die Blütezeit der Filmplakatkunst liegt in den 50er und 60er Jahren, was sich auch an der großen Zahl an vorhandenen Plakaten aus dieser Zeit in der Sammlung der Wienbibliothek erkennen lässt. So ist etwa der im Bereich Filmplakat bedeutende deutsche Grafiker Rolf Goetze mit 281 Entwürfen vertreten.

Signatur-Bereiche und Online-Recherche

Folgende Signaturbereiche umfassen ausschließlich oder nur mit wenigen Ausnahmen Filmplakate, decken allerdings nicht den gesamten Bestand an Filmplakaten ab:

P 9299 – P 9324
P 9549 – P 9573
P 12855 – P 13239
P 13372 – P 20852
P 41824 – P 42413
P 42479 – P 42667
P 93583 – P 93767
P 227161 – P 227999

Im Online-Katalog der Plakatsammlung der Wienbibliothek sind die Plakate unter den Schlagworten "Film", "Filmplakat" oder mit dem genauen, am Plakat vermerkten Filmtitel – also dem Titel der österreichischen oder deutschen Verleihfassung – zu recherchieren.

Der filmhistorische und stadtgeschichtliche Quellenwert der Sammlung

Die Plakatsammlung der Wienbibliothek stellt in erster Linie eine Sammlung aller in Wien affichierten Plakate dar, die nur punktuell durch Schenkungen und Nachlässe ergänzt wurde und wird. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass nahezu alle in der Sammlung durch Plakate repräsentierten Filme in Wien auch gezeigt wurden. Die Plakate der Sammlung stellen also auch ein Register der Wiener Kinogeschichte dar. Hier kann nur ein kleiner Eindruck über den Reichtum der Sammlung gegeben werden.

Neben Plakaten der meisten kanonischen Filme ist eine große Anzahl von Exponaten zu Filmen aller kommerziellen Genres in der Sammlung vertreten. Als Besonderheit gegenüber dem bundesdeutschen Filmmarkt fällt außer den unter sowjetischer Besatzung gezeigten und den vom DDR-Verleih Progress-Film auf den österreichischen Markt gebrachten Filmen vor allem für die 60er Jahre eine große Anzahl von skandinavischen Filmen auf, die in Wien liefen und beworben wurden.

Die Schnittstelle zwischen Filmproduktion und Werbemittel-Gestaltung stellten die Verleihfirmen dar, die entweder mit fest angestellten Grafikern arbeiteten oder Filmplakate in Auftrag gaben. Die wichtigsten österreichischen Verleihfirmen waren der Sascha-Verleih, der Iris-Filmverleih, International-Film sowie die ursprünglich als Verleih der französischen Besatzungsmacht in Wien gegründete OEFRAM. Die großen Hollywood-Produzenten MGM (Metro-Goldwyn-Mayer), Warner Bros., 20th Century Fox, Columbia und RKO (Radio-Keith-Orpheum) waren in Wien nach 1945 ebenfalls mit eigenen Verleihfirmen vertreten, agierten aber auch über ihre für den Export zuständige Dachorganisation MPEA (Motion Picture Export Association of America). Deutsche Verleihfirmen wie Bavaria, Constantin, Hansa, aber auch kleinere Verleihe wie NF (Neue Filmverleih, später Nora-Filmverleih) oder Pallas waren ebenfalls in Wien vertreten und bewarben viele ihrer Filme mit eigens für den österreichischen Markt produzierten Plakaten.

Den kunsthistorischen Quellenwert der Filmplakate der Wienbibliothek gilt es noch näher zu beleuchten. Unter den Plakatentwerfenden sind klingende Namen der Wiener Grafikgeschichte, wie Paul Aigner (1909-1984), Gustav Mezey (1899-1981), Eduard Paryzek Vater (1915-1998) und Eduard Paryzek Sohn (1934), Victor Theodor Slama (1890-1973), Rudolf Vogl (1887-1958), Reinhart Wettach (1889-1976) und Anton Ziegler (1894-1974), zu finden. Aber auch Entwerfer aus Deutschland, wie Ernst Litter (1918), Klaus Dill (1922-2000), Will Williams (1922) und Rolf Goetze, über den bis jetzt keine gesicherten biografischen Daten bekannt sind, sind vertreten.

Text von Dr.in Sabine Fuchs

Publikation

Filmplakate. Plakate aus der Sammlung der Wienbibliothek
Julia König (Hrsg.)
Mit Beiträgen von Roland Fischer-Briand, Sabine Fuchs, Julia König, Siegfried Mattl/Werner Michael Schwarz, Walther Merk und Thomas Mießgang
192 Seiten, ISBN 978-3-99300-087-5
Preis: € 25,-

Mezey, Gustav: Filmplakat zu "Das singende Haus", 1948, P 13903.
Will Williams: Filmplakat zu "Oklahoma", 1958, P 16059.
Julia König (Hg.): Filmplakate aus der Sammlung der Wienbibliothek. Metroverlag 2012