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farbige Illustration, die einen Fiaker vor einer Holzhütte, umgeben von Wild, im Wald zeigt
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Im Lesesaal mit:
Fotografie von Werner Michael Schwarz
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Am 23. November und 5. Dezember schließt der Lesesaal aufgrund einer Veranstaltung bereits um 17 Uhr. Ersatzleseplätze werden zur Verfügung gestellt.

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Teilnachlass Franz Sartori

Gedruckte "Aufforderung an alle Schriftsteller des österreichischen Kaiserthums [...]" zur Einsendung von biographischen Beiträgen für das geplante Gelehrten- und Schriftstellerlexikon.

Franz Sartori wurde am 7. März 1782 im steirischen Unzmarkt als Sohn eines Fürstlich Schwarzenbergischen Bediensteten geboren. Nach Studienjahren in Graz und einer Zeit im Minoritenorden widmete er sich seit 1804 verstärkt seiner schriftstellerischen Laufbahn. In Wien, wo Sartori seit 1806 lebte, gab er die "Annalen der österreichischen Literatur und Kunst" (1807–1810) heraus. 1808 promovierte er an der Universität Erlangen mit einer botanischen Arbeit zwar zum Doktor der Medizin, doch noch im selben Jahr trat er als Beamter ins Bücher-Revisionsamt ein, dem er ab 1814 auch vorstehen sollte. Sartori war damit zeitweise oberster Zensor der Residenzstadt.

Zudem ging er nicht ohne Erfolg seiner Autorentätigkeit nach und war Redakteur sowie Herausgeber mehrerer Periodika, etwa der "Vaterländischen Blätter". Die Bibliographie seiner Schriften liest sich eindrücklich, doch scheint deren Umfang auch dem Umstand geschuldet, dass Sartori, wie es in einem zeitgenössischen Artikel heißt, "Mein und Dein" nur schlecht unterscheiden konnte. Trotzdem sind die Nachschlagewerke des Polyhistors Sartori noch heute von Wert. Zuletzt plante er ein Schriftsteller- und Gelehrtenlexikon für die österreichische Monarchie, das jedoch aufgrund seines frühen Todes unvollendet blieb. Sartori starb am 31. März 1832 in Wien und wurde am St. Marxer Friedhof beigesetzt.

Nachlass auf Reise

Der Bestand (ZPH 1645), 2014 von der Wienbibliothek im Rathaus angekauft, war offenbar nach dem Tod Sartoris in den Besitz des Lexikographen Johann Czikann (1789–1855) übergegangen und gelangte später in die Hände des Sammlers und Antiquars Joseph Maillinger (1831–1884). Noch zu dessen Lebzeiten wurde der Nachlass 1882 von Ludwig Rosenthal (1840–1928) erworben, einem Spross aus der berühmten Münchner Antiquarsdynastie. Von Rosenthal wurden Sartoris Papiere 1979 vom Vorbesitzer erstanden.

Lexikon auf Basis von Selbstauskünften

Unbestrittener Höhepunkt des Bestands ist das umfängliche Material zu Sartoris Fragment gebliebenem Gelehrten- und Schriftstellerlexikon. Er plante das Lexikon auf Basis von Selbstauskünften der im Nachschlagewerk verzeichneten Personen. In Schimmelbriefen, die er eigenhändig vielhundertfach abschrieb, und gedruckten Einladungen (Abbildung), rief er die Prominenz aus der Kulturwelt zur Mitarbeit auf: "Das österreichische Kaiserthum hat Geister der ersten Größe hervorgebracht, deren Andenken nie in dem Busen seiner biedern Völker erkalten soll. Es gibt Zeiten, wo es doppelt nützlich ist, sie öfters an die Geistesheroen ihres Vaterlandes zu mahnen, die schlummernden Talente zu wecken, und so ihr Selbstgefühl rege zu machen". Kein Wunder, dass Sartori in der Tat eine große Zahl an Rückmeldungen erhielt, in denen die Angeschriebenen höchst persönlich einen biographischen Überblick lieferten, oft eigenhändig. Überliefert sind rund 130 Biographien mit über 500 Seiten. Häufig sind es kurze Antworten von 1 bis 2 Seiten. Aber auch ausführliche Selbstdarstellungen sind gar nicht selten, jene aus der Feder der Schriftstellerin Karoline Friederike von Woltmann (1782–1847) etwa umfasst 10 Blatt. Der Geistliche Joseph Valentin Paur (1761–1835) schickte vier Briefe mit autobiographischem Inhalt und forderte als Gegenleistung für seine Mitarbeit, Sartori solle für seine bereits vorliegenden Memoiren einen Verlag suchen. Die Dokumente liegen des Öfteren in Briefform vor, ahmen zuweilen aber auch die typische Form eines Lexikonbeitrags nach. Die Texte dürften bislang unveröffentlicht sein und somit herausragende Quellen darstellen, darüber hinaus sind sie Lehrstücke in Sachen Selbststilisierung.

Zum Teilnachlass Sartori gehören zudem zahlreiche wichtige Lebensdokumente, so etwa ein Gesuch um Entlassung aus französischer Haft wegen eines Zeitungsartikels 1805 (Brief an den Kommandanten Marmont) oder die Ernennung zum Bücherrevisor durch Franz Freiherr Haager von Altensteig (Abbildung). Etliche zum Bestand zählende Manuskripte widmen sich Fragen der Zensur oder dem Zustand des österreichischen Buchhandels. Überaus wichtig sind auch die Korrespondenzen, es handelt sich um rund 100 Schreiben von etwa 65 Briefpartnern. Bisweilen liegen die zur Zensur eingereichten Texte noch bei – seien es Mundartgedichte oder Denkschriften über juristische Fragen.

Kryptobestände zu Cerroni, Czikann und Hawlik

Nicht ohne Reiz sind darüber hinaus die zum Teilnachlass gehörenden Krypto-Bestände. Da ist zuerst jener von Johann Peter Maria Cerroni (1753–1826) zu nennen, auch er Zensor und Lexikograph in Personalunion. Zudem finden sich Konvolute von Johann Czikann und Ernst Hawlik (1776–1846).

Der Bestand ist meist einzeln katalogisiert (337 Inventarnummern), unter ZPH 1645 finden sich zwei Folioboxen, deren Inhalt mittels einer Bestandsliste erschlossen wird.

Archiv der Neuerwerbungen 2015

Ernennung zum "ersten Revisor und wirklichen Vorsteher" des Bücherrevisionsamtes, 28. November 1814.