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Das schöne Leben und die schöne Leich'

"Kinderleichenwagen" mit der Aufschrift des Wiener Bestattungsunternehmens "Pietät", um 1875.

"Der Tod, das muss ein Wiener sein …". Mit diesen Worten besang Georg Kreisler im Jahre 1969 das wohl beliebtes Klischee der Wiener: die angebliche Morbidität ihrer Stadt. Mittlerweile ist den Bundeshauptstädtern ihre selbst auferlegte Jenseitsgewandtheit zum identitätsstiftenden Wesensmerkmal geworden, die Tourismusindustrie vermarktet die "schöne Leich" als festen Bestandteil der "Marke Wien" und Zentralfriedhof, Kapuzinergruft und Pompfüneberer haben ihren fixen Platz in den Reiseführern, ebenso wie der Stephansdom oder das Wiener Schnitzel.

Selten jedoch trifft man auf Objekte, die dieses Stereotyp in derart idealtypischer, ja geradezu skurriler Weise bedienen, wie dies im Fall der aktuellen Neuerwerbung der Druckschriftensammlung der Wienbibliothek der Fall ist: ein Produktkatalog des Wiener Bestattungsunternehmens "Pietät" aus der Zeit um 1875, der mit seinen 31 aufwändig chromolithographierten Schautafeln von Metallsärgen und Sarkophagen (darunter auch Kindersärgen), Bestattungskutschen und Aufbahrungen der verschiedensten Preisklassen - von der schlichten "Kleinen Aufbahrung" im offenen Holzsarg bis hinauf zur "Aufbahrung der Pracht-Classe" - ein unverzichtbares Hilfsmittel für zahlungskräftige Hinterbliebene aus dem Wien der Ringstraßenära war.

  • Wiener Leichenbestattungs-Unternehmung "Pietät". Concessionirt mit hohem k. k. Statthalterei-Erlaße v. 18. März 1868, Z. 8626. Central-Bureau: I. Stephansplatz 1. Wien: Moser, [ca. 1875]. Sign.: C-335074

Neben dem Katalog für die letzten Dinge des Wieners konnten aber auch drei Produktkataloge aus der Zeit der ausgehenden Monarchie erworben werden, die eher das glamouröse Zubehör für das diesseitige Leben in der Stadt bereitstellen sollten: es sind dies die Musterbücher der Fabriken von C. A. Münchmeyer, die sich auf versilberte und vergoldete Metallwaren, vorwiegend Besteck und Etageren für die bürgerliche Tafel spezialisiert hatten, weiters das böhmische Traditionsunternehmen von Salomon Reich mit seinen prunkvoll bemalten, gläsernen Lampenschirmen für Petroleumleuchter, sowie nicht zuletzt die "Eisenmöbel- und Kinderwagenfabrik" von Leopold Walter in der Margaretener Diehlgasse, von der auch Beistelltischchen und Betten aus Messing hergestellt wurden (Abbildung links).

  • Messingmöbel-Fabrik Leopold Walter. Wien V/2, Diehlgasse 19. Wien, [ca. 1880]. Sign.: C-335075
  • Musterbuch der Fabriken versilberter und vergoldeter Metallwaaren von C. A. Münchmeyer & Co. Wien VII/3, Kaiserstrasse 83. Wien: Erste Wiener Vereins-Buchdruckerei, [1897]. Sign.: C-335076/1+2
  • Glasartikel für Petroleum-Beleuchtung. S. Reich & Co. k.k. priv. Glasfabrikanten Wien II. Wien: Brüder Mändl, [ca. 1910]. Sign.: C-335077

Weitere Neuerwerbungen

  • Roth, Johann Franz: Allgemeiner und besonderer Wiener-Komtorist. Bd. 1. Wien: Weingand, 1782.
  • Armbruster, Johann Michael: Amalie Seckendorf. Ein Sittenbüchlein für die frühere, vorzüglich weibliche Jugend. Wien: Carl Armbruster, 1819.
  • Stark, Johann: Erinnerung an Marienbad [Lithographiertes Leporello]. Wien: Haller, [ca. 1850]
  • Richard Schaukal: Nachdichtungen : Verlaine - Heredia. Berlin: Oesterheld, 1906. Mit einem eigenhändigen Widmungsgedicht von Richard Schaukal an Friedrich Rucker aus dem Jahre 1916.
  • Aus des Ratsherren Johannes Teufferius Lebensbeschreybung. – Berlin/Wien: Antaios-Verlag, 1920. Mit einem Widmungsgedicht des Herausgebers Arthur Trebitsch an Julius Patzelt aus dem Jahre 1920.

Archiv der Neuerwerbungen 2015

Messingbett aus der Produktion der Wiener Firma Leopold Walter.