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Digitale Sammlungen
farbige Illustration, die einen Fiaker vor einer Holzhütte, umgeben von Wild, im Wald zeigt
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Wien Geschichte Wiki

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Im Lesesaal mit:
Fotografie von Werner Michael Schwarz
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Aktuelle Schließzeiten

Am 23. November und 5. Dezember schließt der Lesesaal aufgrund einer Veranstaltung bereits um 17 Uhr. Ersatzleseplätze werden zur Verfügung gestellt.

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Buchhandelskataloge des 18. und frühen 19. Jahrhunderts

Katalog der Raspeschen Buchhandlung in Nürnberg, 1805.

Neu im Bestand der Wienbibliothek ist eine Sammlung von mehr als 250 Buchhandelskatalogen aus der Zeit zwischen 1724 und 1839. Das aus 48 Sammelbänden bestehende Konvolut bereichert die bereits bestehende Sammlung der Wienbibliothek an - vorwiegend Wiener - Buchkatalogen enorm und weist hinsichtlich Internationalität der vertretenen Firmen weit über die Grenzen Wiens und der Habsburgermonarchie hinaus. Die überaus seltenen, ja oft unikalen Kataloge, mit denen die Buchhändler nicht nur das Büchersortiment, sondern auch die eigene Verlagsware bewarben, sind heute einzigartige Dokumente – nicht nur was den Handel mit Büchern zwischen dem süddeutschen Raum und der Habsburgermonarchie betrifft, sondern auch hinsichtlich Fragen der Lesekultur oder der Zensur im Zeitalter der Aufklärung.

Direkt aus Wien stammen lediglich zwei der neu erworbenen Kataloge: die seltene "Fortsetzung des Verzeichnisses von ältern und neuern Büchern in allen Sprachen und Wissenschaften" von Jacob Mayer aus dem Jahr 1817 sowie ein Auktionskatalog der Bibliothek des Ignaz Grafen Fuchs von Puchheim und Mitterberg aus dem Jahr 1839, der zugleich den jüngsten Katalog der gesamten Sammlung darstellt. Aus dem Territorium der Habsburgermonarchie wären noch die Kataloge der Salzburger Firmen von Johann Ehrnberger, Franz Xaver Duyle und Joseph Oberer zu nennen; ein weiterer Katalog aus dem Jahr 1829 stammt aus der Leihbibliothek von Jakob Hinterwaldner in Innsbruck.

Interessant sind aber auch einige "Exoten" in der Sammlung: ein Züricher Auktionskatalog aus der Zeit um 1805, ein englischer Katalog der Londoner Firma Robert Faulder von 1797 sowie ein Sammelband mit zwölf seltenen Katalogen des neapolitanischen Buchhändlers Giuseppe Maria Porcelli aus den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts. Schließlich sind vier Kataloge der Braunschweiger Firma Friedrich Wilhelm Meyer aus der Zeit um 1724 ff. vorhanden, die zugleich als älteste Werke der aktuellen Neuerwerbung anzusehen sind.

Den Kern des Bestandes machen aber die "Catalogi Librorum" (so der auf dem Rückenschildchen fingierte Titel) aus. Es handelt sich hierbei um eine Sammlung von 37 voluminösen, mehr oder weniger einheitlich gebundenen Sammelbänden, die insgesamt über 230 Kataloge enthalten (fünf davon sind doppelt enthalten). Als Provenienz der Sammlung kann das 1803 säkularisierte Zisterzienserkloster Ebrach im Landkreis Bamberg angenommen werden, wie handschriftliche Einträge mit dem Wortlaut "M[onaste]rij B.V.M. de Ebraco" in den ersten 15 Bänden belegen; die restlichen 22 Bände schließen inhaltlich an diese ersten 15 Bände an, dürften aber erst nach Auflösung des Kloster gebunden worden sein, da der Besitzeintrag hier bereits fehlt. Aus dem regionalen Einzugsgebiet des Klosters Ebrach erklärt sich auch der Schwerpunkt der Kataloge im fränkischen Raum: mit 70 Katalogen ist die Reichsstadt Nürnberg am prominentesten vertreten, gefolgt von weiteren fränkischen Städten, allen voran die Diözesanzentren Bamberg und Würzburg, aber auch Coburg, Ansbach, Fürth und Erlangen. Als weitere Herkunftsorte der Verzeichnisse wären die schwäbische Handelsmetropole Augsburg, die Residenzstadt Mannheim sowie die Buchstädte Frankfurt und Leipzig besonders hervorzuheben. Auch bei den vertretenen Firmen liegen Nürnberger Unternehmen an der Spitze: hier führt das Haus Felßecker mit 21 Katalogen, Christian Gotthold Hauffe und Ernst Christoph Grattenauer mit je 12 Katalogen, gefolgt von Johann Eberhard Zeh (3), Riegel und Wießner, Lechner, sowie die Steinische Buchhandlung und die Homännische Offizin (je 2 Kataloge); eine besondere Rarität ist auch der hier abgebildete "Verlagskatalogus der Raspeschen Buchhandlung in Nürnberg" (Abb. oben). Die Bamberger Firmen wiederum werden von Tobias Göbhardt (22) sowie Vincenz Dederich (11 Kataloge) angeführt. Eine aufgrund ihrer direkten Wien-Bezüge interessante Firma ist der Würzburger Buchhändler Johann Jakob Stahel, der mit 16 teilweise unikalen Katalogen einen wichtigen Teilbestand ausmacht. Die Firma Weigel (bzw. Weigel und Schneider) in Leipzig ist mit 18 Katalogen vertreten, nicht weniger bedeutsam sind die Firmen Veith in Augsburg (9), der Erlanger Buchhändler Johann Jacob Palm (12) sowie die bislang äußerst schlecht dokumentierte Firma des Coburger Buchhändlers Rudolph August Wilhelm Ahl (7 Kataloge). Kleinere Sammlungen betreffen noch die Firmen von Benedict Friederich Haueisen (Ansbach), die Unternehmen von Lotter, Rieger, Mauracher und Wolff (Augsburg), Loeper, Besson (beide Leipzig) sowie die Firma Varrentrapp und Wenner und die Buchhandlung Esslinger (beide in Frankfurt am Main). Aufgrund des französisch- und englischsprachigen Sortiments sind die Kataloge des Mannheimer Buchhändlers Matthieu Fontaine besonders herauszustreichen; ähnliches gilt für die französischen Kataloge von Esslinger (Frankfurt), Besson (Leipzig) und Leroux (Mainz). Die Verlagsbuchhandlung der Witwe Vandenhoeck in Göttingen, deren Firma die Zeiten überdauert hat und als "Vandenhoeck & Ruprecht" bis heute besteht, ist ebenfalls mit zwei Katalogen vertreten.

Inhaltlich gliedern sich die Kataloge in Leihbibliotheks-, Sortiments-, Antiquariats- und Auktionskataloge, wobei die Grenze nicht immer so scharf zu ziehen ist, wie man das vom heutigen Buchhandel gewohnt ist. Die Kataloge erschienen einzeln oder periodisch; sie sind meist thematisch gegliedert und von recht unterschiedlichem Umfang: von wenigen Seiten spannt sich der Bogen zu voluminösen, mehrere hundert Seiten umfassenden Wälzern, wie etwa im Falle des Katalogs der Ansbacher Firma Haueisen aus dem Jahr 1782, der es auf stolze 928 Seiten bringt. Besonders hingewiesen sei an dieser Stelle auf zwei Spezialkataloge: einen "Catalogus Librorum Rariorum Et Magnam Partem Prohibitorum" aus Regensburg (1777), der vor allem klandestine Literatur enthält, sowie auf ein kleines "Verzeichniß einiger pädagogischer Schriften für Kinder und Kinderfreunde" aus dem Verlag von Schneider und Weigel in Nürnberg (1792).

Die Kataloge stammen aus der Privatsammlung des Wiener Zahnmediziners und Buchwissenschaftlers Otmar Seemann; einen Gesamtüberblick über die 167 Katalogeinträge können Sie sich verschaffen, indem Sie diesem Link in den Druckschriftenkatalog folgen.