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Ein spanischer Feuerkünstler in Wien

Ueber den unbrennbaren Spanier und das Geheimniß der Unverbrennbarkeit. Schrämbl 1809

Im Jahr 1809 erlebte Wien nicht nur den Einmarsch der französischen Truppen, ein ganz besonderes Spektakel wurde den Wienern auch in Gestalt des spanischen Feuerkünstlers Isidor Roger, des "unverbrennbaren Spaniers" geboten. Der aus Toledo stammende Mann war seit Jahren durch Europa getourt und hielt 1809 das Publikum in Wiener Vorstadttheatern und "in dem Saal beym Sperl in der Leopoldstadt" in Atem. In einem seiner in Wien gezeigten Kunststücke stand er etwa inmitten brennender Raketen auf einem Holzstoß, wobei ihm das Hemd bis zur Haut abbrannte, die Haut selbst aber unversehrt blieb.

Die kleine Broschüre aus dem Verlag Schrämbl berichtet über die bisherige Erfolgstournee des unverbrennbaren Spaniers, der siedendem Öl ebenso stand hielt wie glühenden Eisen und mit seinen Vorführungen selbst in akademischen Kreisen für Furore sorgte. Entsprechend dem Zeitgeist geht die Schrift auch den chemischen Hintergründen von Rogers Kunststücken nach, dem "Geheimniß der Unverbrennbarkeit". Denn von bloßer Taschenspielerei könne keinesfalls die Rede sein und von metaphysisch-magischen Erklärungsmodellen hatte man sich bereits weitgehend verabschiedet.

Die Druckschrift steht somit stellvertretend für einen aufgeklärten Diskurs über unerklärliche Naturphänomene und berichtet anekdotisch auch vom "Forschergeist" der Wiener: das faszinierte Publikum besuchte den Künstler und notierte seine Aussagen, rezipierte einen Bericht in der Nürnberger Zeitung, um schließlich an den Selbstversuch zu gehen. Über einen der Amateur-Feuerschlucker berichtet die Broschüre süffisant: "Einer von diesen Versuchen ist uns bereits bekannt geworden, er fiel aber nicht zum Besten aus, denn die Unternehmer verbrannten sich die Finger." - Nachahmung nicht empfohlen!

Archiv der Neuerwerbungen 2009